Montag, 13. Februar 2017

Nicolas Wackerbarth: Casting.

#berlinale
Nicolas Wackerbarth: Casting.

der beispiele wären einige, naheliegend malles wanja auf der 42. strasse oder fassbinders warnung vor der heiligen hure selbst. doch schliesslich bleibt es bei einer auf spielfimlänge ausgereizten fingerübung, richtige idee, exzellente schauspieler, treffendes script, angespielte genres her oder hin.

Donnerstag, 13. Oktober 2016

Keiner hat Adorno verstanden

"Der Erfolg einer Philosophie müsste davon abhängen, dass ihre Sätze dem Leser das Bewusstsein verschaffen und lassen, er hätte sie oder so ähnliche auch jederzeit selbst finden und schreiben können.
Man kann das mit ein wenig Leichtfertigkeit die Qualität der Parodierbarkeit nennen. [...]
Keiner hat Adorno verstanden, aber alle haben nach wenigen Seiten kapiert, wie man es macht. Manierismen liefern Erfolg im Masse ihres Aufreizens zur Parodie - und das sieht dann aus wie gelungene Rezeption."
Hans Blumenberg, Die Suggestion des beinahe Selbstgekonnten. In: Ein mögliches Selbstverständnis

&

Mittwoch, 12. Oktober 2016

Ossian oder Die Authentizität (The making of) (II)

[Ossian oder Die Authentizität (The making of) (I)]

...
Schönheit, politische Frage, Historizität,  oder (belegte, belegbare) Tatsachen sind keine Kriterien der Authentizität. Wie kann man sich dann von der Authentizität von etwas oder jemanden überzeugen?
Es sind zwei Kriterien, die Hume in seinem Brief von 1760 heraushebt. 
Erstens ist Authentizität eine Frage der Art und Weise ("Manner" - Manier).
Zweitens ist Authentizität eine Frage der Orginalität und/oder Singularität.

Für Hume sind sowohl die Art und Weise, in der MacPherson dazu gebracht wurde, die von ihm  gesammelten Gesänge zu übersetzen, als auch die Art und Weise der Gesänge selbst - ihre Komposition - entscheidene Kriterien ihrer Authentizität.

Wie wurde die Übersetzung (buchstäblich) herausgebracht? John Home fragt MacPherson, ob dieser schon einmal versucht habe, von ihm erwähnte Gesänge aus seiner Sammlung zu übersetzen. MacPherson verneint, und bezweifelt, dass es überhaupt möglich sei, diese Gesänge aus dem gälischen zu übersetzen, erklärt sich aber schliesslich bereit, eines probeweise zu übersetzen. Die Übersetzung liefert er tags darauf. Die Authentizität der Gesänge wird durch die Authentizität des "Überbringers" gestützt - und zu dessen Authentizität gehört, dass er weder leichtfertig noch überaus willig erscheint, seine Übersetzungen "an den Mann zu bringen".
Ein Kriterium der Authentizität ist also eine spezifische Haltung, ein ethos - zur Art und Weise der Authentizität gehört, sich nicht zu sicher zu sein, nicht zweifelsfrei zu sein, nicht zuviel auf das Ergebnis zu geben, und so weiter.

Die Authentizität der Gesänge steht wiederum in Frage, da ihre textinterne Komposition Hume als zu "regelmässig" im Verhältnis zu ihrem angenommen Alter und damit zur angenommen "barbarischen" Kultur steht, die sie hervorgebracht haben soll.

"... if a regular poem, or even any thing of that kind, nearly regular, should also come from that rough climate or uncivilized people, it would appear to me a phenomenon altogether unaccountable."
Das unerklärliche, seltsame Phänomen, die besondere Art und Weise der Gesänge wirft die Frage nach ihrer Authentizität auf - aber zugleich ist die Singularität der Gesänge als Originalität auch ein Beleg ihrer Authentizität.  Hume nimmt eines der poetischen Bilder als Beispiel: Einem der Helden zerbricht seine Speerspitze im Kampf, woraufhin er sich hinter die Linien zurückfallen lässt, ein Esse aufbauen lässt, und  sich eine neue schmiedet - und mit der noch glühenden Spitze seinen Feind tötet,
"while the iron, which was yet red-hot, hisses in the wound."
Dieses poetische Bild sei singulär, selbst bei Homer finde es sich nicht - und die Singularität sei Beleg der Authentizität.

Authentizität kommt also nicht dem bloss gelungenen poetische Bild zu - sonst wäre Authentizität  eine Frage der Ästhetik, der Schönheit. Authentizität ist auf eine singuläre Weise schön.

A novel is a novel is a novel


"A novel about people who live in an oral culture, she would like to say, is not an oral novel. Just as a novel about women isn't a women's novel."

(Elizabeth Costello, in: J.M. Coetzee: Elizabeth Costello. The Novel in Africa)

Montag, 10. Oktober 2016

Ossian oder Die Authentizität (The Making of) (I)

"Am 10. Julius. Die alberne Figur, die ich mache, wenn in Gesellschaft von ihr gesprochen wird, solltest du sehen! Wenn man mich nun gar fragt, wie sie mir gefällt? – gefällt! Das Wort hasse ich auf den Tod. [...] Gefällt! Neulich fragte mich einer, wie mir Ossian gefiele!" (Goethe, Die Leiden des jungen Werther, 1774)
Etymologische Lexika geben als belegte Erstverwendung des englischen Wortes "Authenticity" (Authentizität) 1760 an; am 16. August 1760 schreibt David Hume in einem Brief über die Gedichte Ossians an einen unbekannten Empfänger:
"Mr. Gray should have entertained suspicions with regard to the authenticity of these fragments of our Highland poetry".
Worum geht es? 1760 veröffentlichte der Edingburgher Literatur- und Rhetorikprofessor Hugh Blair "Fragments of Ancient Poetry", Übersetzungen alt-gälischer "Gesänge" - Gesänge im Sinne rhapsodischer Dichtung, wie der altgriechischen Odyssee oder Ilias vor ihrer Niederschrift, mündlich überliefert; gesammelt vom schottischen Hauslehrer MacPherson.

John Home, ehemaliger schottischer Soldat und 1760 Dichter und Dramatiker, der selber kein Gälisch konnte, hatte MacPherson in Moffat kennengelernt, und diesen gebeten, ihm einige altgälische Gedichte, von denen MacPherson berichtete, zu übersetzen.
Diese Übersetzungen brachte John Home nach Edingburgh. Dort zeigte er sie unter anderem dem Historiker Robertson, dem (im Brief erwähnten) englischen Dichter Thomas Gray, Hume sowie Hugh Blair, welcher sie schliesslich veröffentlichte.
Humes zitierter Brief an einen unbekannten Empfänger dient dazu, eine Subskription zu bewerben, die MacPherson erlauben sollte, seine Tätigkeit als Hauslehrer aufzugeben, um weitere Fragmente der mündlichen Überlieferungen in den Highlands zu sammeln.

Woran zweifelt 1760, wer Zweifel an der Authentizität von etwas oder jemandem hat?
Zunächst einmal kann man Humes ersten Brief entnehmen, was ausser Zweifel steht, oder eine andere Frage ist:
- Nicht in Frage steht die Schönheit ("Beauty") der Gedichte. Authentizität ist also keine rein ästhetische Frage - es ist vorstellbar, dass etwas schön, aber nicht authentisch ist - und umgekehrt.
- Ausser Frage wird auch gestellt, dass in den Gedichten Tatsachen und historischen Ereignisse  (Reality, historical truth) dargestellt und bewahrt sind.
Am ausführlichsten diskutiert Hume die Frage des Alters (Antiquity) der überlieferten Gesänge - und behandelt diese Frage getrennt von jener der Authentizität.
- Und zuletzt ist Authentizität keine Frage der Politik, der politischen Überzeugung oder Haltung. 15 Jahre nach Niederschlagung des letzten Jakobitenaufstandes ist Humes Schlussbemerkung, sicherlich begrüsse sein und anderer schottischer Nationalstolz die Entdeckung, ein politisches Bekenntnis  - Nationalstolz, der, in Humes eigenen Worten, "ein wenig stark sei". Allerdings sei gerade Thomas Grays Anerkennung der dichterischen Qualität der Gesänge, die Anerkennung eines Engländers also (auch wenn dieser an der Authentizität zweifele), ein Hinweis, dass nicht bloss übertriebener Patriotismus der eigentliche Grund sei, weitere Gesänge des Ossian zu sammeln, zu übersetzen und zu veröffentlichen.

Sonntag, 2. Oktober 2016

to simplify things

"overload 'em with information an' they'll kill yeh jus' to simplify things."

Hagrid, in: J.K. Rowling, Harry Potter and the Order of the Phoenix, p. 429

Mittwoch, 14. September 2016

Ein Unding

"Nach seiner Meinung ist das Universum kein Gegenstand möglicher Erfahrung, sondern sozusagen ein Unding."

(Beisbart über Kant, in: Können wir wissen, wie das Universum beschaffen ist? Echte und vermeintliche Erkenntnisprobleme der Kosmologie)